No-Poo: Roggenmehl als Shampoo-Alternative?

Mehl statt Shampoo – ein Testbericht

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Meine Erfahrung mit Roggenmehl als no-poo-Lösung.

Meine aktuelle Haar-Routine mit weißem Roggenmehl und Haartees Zum Post

Mehl statt Shampoo – ein Testbericht

Im Zuge meines Minimalismus-Vorhabens, meinem neu gewonnenen Hass auf Plastik und weil ich jetzt schon so oft davon gelesen habe,… habe ich probiert Shampoo gegen Roggenmehl zu tauschen. Folgend möchte ich von meiner persönlichen Erfahrung damit berichten und gleich vorab anmerken, dass jeder Kopf anders ist und du es am besten einfach selbst mal ausprobieren solltest. Wenn du es schon selbst getestet hast, kannst du mir bitte am Ende gerne deine Geheimtipps dazu verraten.

Ein bisschen Vorgeschichte aus dem Leben meiner Haare:

Ich habe wohl seit der vierten Klasse meine Haare täglich gewaschen. Damals natürlich auch noch schön mit Silikonen. Ein paar Jahre später wurden sie ab und zu sogar zweimal am Tag gewaschen, weil sie immer schneller wieder fettig wurden. Ein Teufelskreis der natürlich auch die Spitzen schädigte. Ich denke, dass mich dann vor allem der Wunsch nach langem Haar etwas recherchieren hat lassen. Relativ schnell war herauszulesen: Häufig waschen = kaputte Haare, also hör auf damit. Aber wie?

Man kann nun die Haare auf Nulldiät setzen und Wochen oder eher Monate mit fettigen Haaren rumlaufen oder sich langsam entwöhnen. Habe mich für Zweiteres entschieden. Nun wasche ich seit etwa 2 Jahren mal mit Naturkosmetik-Shampoo, mal nur mit Wasser oder Trockenshampoo und zuletzt auch immer öfter mit Lavaerde/Ghassoul – mit der ich unter günstigen Voraussetzungen (kein Regen, kein Sport, kein Stress + Trockenshampoo) schon auf ganze drei Tage ohne fettigen Ansatz gekommen bin. Häufiger war es aber immer noch der Fall, dass ich täglich gewaschen habe und Situationen wie Übernachtungen ein riesiger Stressfaktor waren, weil ich nicht wusste, ob die Haare das gut überstehen oder am nächsten Morgen vor Fett triefen werden.

Als die Lavaerde-Packung leer wurde, ergriff ich die Gelegenheit, die günstigere Methode mit Roggenmehl auszuprobieren. Bezüglich biologischer Abbaubarkeit liegen die beiden Shampoo-Alternativen gleich auf. Lavaerde kommt jedoch aus Nordafrika – Roggen wächst in Deutschland. Grund genug dem Korn eine Chance zu geben.

Wie wende ich das Roggenmehl an?

Ca. 3 EL Vollkornroggenmehl mit lauwarmen Wasser anrühren, bis ein flüssiger Brei entsteht. Das Ganze sollte dann mindestens 2 Stunden quellen. Anschließend in die Kopfhaut einmassieren und gründlich ausspülen. Für mehr Glanz und Vitalität soll Kaffeesatz sorgen. Also gebe ich auch davon etwas in die Mischung.

Zwischendurch kämme ich die Haare mit einer Wildschweinborstenbürste. Skandalös.

Und so war meine Woche mit dem Süßgras:

– S P O I L E R – Es lief nich gut: Direkt zum Fazit

Tag 1:  An den Geruch von kaltem Kaffee in der Dusche muss ich mich vielleicht erst gewöhnen oder ich lasse es gleich bleiben. Die Haare versprühen noch den ganzen Vormittag einen leichten Kaffeeduft. Ich weiß nicht ob mich das puscht oder meinen Konsum noch mehr verstärkt. Der Drehknopf an der Kaffeemaschine wurde jedenfalls gleich mal vorsorglich nach oben reguliert. Optisch sind die Zotteln auf jeden Fall besser als mit herkömmlichem Shampoo. Sie sind griffiger und hängen nicht so schlaff von der Kopfhaut.

Tag 2:  Gestern Abend vor dem Schlafengehen nochmal die Haare mit der Rundbürste schön gekämmt und optisch ähnlich aufgewacht. Da die Außentemperaturen aber deutlich zu hoch liegen und ich mich recht verschwitzt gefühlt habe, habe ich mich morgens vor der Arbeit geduscht und dabei die Haare nur mit Wasser gründlich durchgespült. Danach mussten sie den Föhn erdulden, weil ich finde, dass nur mit Wasser gewaschene Haare nicht gut an der Luft trocknen. Das sieht dann schnell strähnig aus. Weiterhin bin ich gut durch den Tag gekommen, hatte sie aber nachmittags zusammengebunden.

Tag 3:  Ohne Kämmen ins Bett gegangen, furchtbar aufgestanden. Optisch gesehen, wäre eine Wäsche fällig gewesen. Jedoch hatte ich keine Roggenmehlmischung vorbereitet. Organisationstalent. Ab ins Bad und die Haare durchgebürstet… sah eigentlich nicht schlecht aus. Nein, ich bilde mir ein duschen zu müssen und habe es dann auch getan – wieder nur mit Wasser. Keine so gute Idee. Die Haare sind auch nach dem Föhnen noch recht strähnig. Ich helfe mit etwas Trockenshampoo nach um überhaupt aus dem Haus zu kommen. Hätte ich heute nicht arbeiten müssen, hätte ich es wohl beim Kämmen belassen. Jetzt fühlen sie sich recht dreckig und klebrig an. Vom Aussehen her geht’s, wird aber von Stunde zu Stunde schlechter.

Tag 4:  Am Abend zuvor wurde die Roggenmehlmischung angesetzt, weil der Herr Ehemann (der macht nämlich beim Roggenmehl-Test mit) sich an den Kaffeekrümeln im Haar gestört hat, dieses Mal ohne. Morgens ging’s also ab damit in die Dusche. Vielleicht habe ich zu wenig „Shampoo“ verwendet, jedenfalls ist nichts Gutes dabei rausgekommen. Ich habe sie wieder geföhnt und sie waren, obwohl frisch gewaschen, recht strähnig. Ich hatte es wie immer eilig aus dem Haus zu kommen und dachte mir, dass sie vielleicht einfach erst noch richtig trocken werden müssen. In der Arbeit konnte ich dann den stetigen Verfall beobachten. Ich dachte schon, jeden Moment spricht mich jemand an, dass ich mich doch mal wieder waschen soll. Aber da liegt die Hemmschwelle ja recht hoch – zum Glück vielleicht. Nachmittags habe ich sie mir dann bei meinen Eltern mit etwas Alverde Ultra Sensitiv Shampoo gewaschen. Kurz darauf wollte ich Freunde treffen und das wäre so für mich auf keinen Fall gegangen.

Tag 5:  Samstag, Vormittag, 10:45 Uhr. Ich rolle aus dem Bett, die Harre sehen nicht fettig aus. Sehr gut. Ich binde sie zu einem hohen Dutt und wasche mir den Freitag-Nacht-Dreck vom restlichen Körper. Der Dutt darf so zum Crepes-Essen mitkommen. Nachmittags geht’s dann, wie am Tag zuvor, auf’s Jahninselfest. Vorher wird der Dutt aber nochmal mit Trockenshampoo verstärkt. Einfach damit er etwas fluffiger/voluminöser daherkommt. Ein Regenschauer zieht über Regensburg und ich gehe mit nassen Haaren ins Bett, wodurch…

Tag 6:  …das Haar heute hauptsächlich komische Biegungen aufweist. Sie sind nicht sehr fettig. Da Sonntag ist, das Wetter immer noch wechselhaft, und wir daher wohl eh nicht aus dem Haus gehen, gebe ich mich damit zufrieden und kämme sie nur durch.

Tag 7:  Es ist wieder Montag. Ich bin daheim, möchte aber noch aus dem Haus. Also wird das Roggenmehl-Gemisch erneut herangezogen. Ich lasse sie an der Luft trocknen und bin einfach immer noch nicht vollständig überzeugt. Der Herr Ehemann findet das Ergebnis gut, das muss er wohl sagen. Spiele mit dem Gedanken wieder Lavaerde zu kaufen.

frisch mit Roggenmehl gewaschene Haare

frisch gewaschen – ganz nett, aber gefühlt und optisch für meinen Geschmack nicht sauber genug.

Die Haare einen Tag nach der Roggenmehlwäsche

Unglaublich aber wahr – diese Haare sind kurz vorher gekämmt worden.

Tag 8:  Die Haare sehen nach dem Kämmen ganz okay aus – aber eben nur direkt danach. Leider musste ich beim Kämmen auch lauter kleine Knoten lösen, in denen sich scheinbar Roggenklümpchen verfangen haben. Obwohl ich doch gestern mindestens dreimal nachgekämmt hatte. Die Haare sehen am Ansatz wieder etwas strähnig aus, ansonsten sind sie sehr weich. Ob das von der Bürste oder dem Mehl kommt? Naja, irgendwie wird’s schon gehen. Wohl fühle ich mich damit nicht wirklich.

Ich breche das „Experiment“ ab, indem ich heute losziehe und eine neue Packung Lavaerde besorge. Ja, man könnte dem Roggenmehl eine längere Testphase gönnen, aber warum soll ich mich weiter quälen. Übrigens, das Pulver zum selbst anrühren. Mit der flüssigen Variante von LOGONA hatte ich so das Gefühl, dass es nicht richtig sauber wäscht.

Fazit

Haare frisch mit weißem Roggenmehl gewaschen

Das Ergebnis mit Roggenmehl vom Typ 1150.

Edit vom 21. August 2016: In der Zwischenzeit wurde ich mit gut gemeinten Ratschlägen bombardiert und habe mich vorgestern nochmals an’s Mehl gewagt. Diesmal vom Typ 1150. Bei feinem Roggenmehl kann man die Pampe direkt nach dem Anrühren mit Wasser verwenden, allerdings habe ich die Mischung mindestens fünf Minuten auf der Kopfhaut einwirken lassen, was wohl auch bei Vollkornmehl nicht geschadet hätte.(Sehe mich in Zukunft mit Kaffee und Stricksachen in der Dusche sitzen, um mir die Zeit zu vertreiben.) Anschließend gut auswaschen und nochmal kalt nachspülen.

Es bleibt logischerweise keine Kleie im Haar kleben, weil keine drin ist und auch so bin ich sehr zufrieden über das saubere, weiche, fluffige Ergebnis. Yehaa!

[wp-svg-icons icon=“arrow-right“ wrap=“i“] Der Blogpost über meine Haarroutine nach längerer Erfahrung mit Roggenmehl: Unter der Dusche mit Gras und Kräutern 

Nach der Wäsche mit Vollkorn-Roggenmehl fühlten sich meine Haare nie richtig sauber an, waren immer klebrig und standen deswegen auch komisch vom Kopf ab. Dafür sank das Ergebnis von Tag zu Tag nicht in so einem Umfang ab, wie ich es von herkömmlichen Shampoos gewohnt bin. Ein weiterer Minuspunkt sind die Roggenkrümel. Obwohl mein Mann kürzere Haare hat, bleiben jede Menge Krümel in den Haaren und im Handtuch, anstatt im Ausguss zu verschwinden. Vom Handtuch wandert’s dann auf den Handtuchhalter und bröselt die ganze Waschmaschine von oben voll.

Andererseits hat man bei Lavaerde immer eine kleine Schlammschlacht in der Dusche. Aber bitte – was soll daran schlecht sein. Außerdem kann man sich mit der Erde den kompletten Körper und das Gesicht waschen – Duschgel gespart.

Ich bin mir fast sicher, dass es mit dem Vollkorn-Roggenmehl nach längerer Eingewöhnungszeit trotzdem klappen kann. Vielleicht starte ich im Winter, das heißt in der Mützenzeit, nochmal einen Versuch.

2 Kommentare

  1. Ich habe mich jetzt auch an das thema Roggenmehlshampoo gewagt und bin eigentlich sehr positiv überrascht. Aber ich habe noch den tipp bekommen nach dem waschen mit dem Roggenmehl, die Harre mit einer Rinse ( 1l lauwarmes wasser mit 2 Esslöffeln Apfelessig) nachzuspülen. Danach die Haare einfach so lassen. Und erst im trockenen zustand kämmen.

    • Hi Corinna,

      schön, dass du damit Erfolg hattest! Ich wasche mittlerweile nur noch mit Roggenmehl oder nur mit Wasser. Vor allem da die Lavaerde-Marke jetzt zu Loreal gehört.
      Vom Apfelessig hab ich auch schon gehört, bei mir reicht aber meist kaltes Wasser oder ein Haartee (Der Beitrag dazu ist oben verlinkt)
      Viel Spaß beim weiteren experimentieren!

      Schöne Grüße
      Caro

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