Minimalismus: Ein Kleiderschrank-Update

3 Pullover, mit denen man durch den Winter käme. Mein persönlicher Weg zur Capsual Wardrobe

[Unbezahlte Werbung | Verlinkungen]


Wie sieht mein Ausmist-Vorhaben nach 1,5 Jahren aus?

Jetzt bin ich doch glatt erschrocken, wie lange es schon her ist, dass ich meinen Beitrag „Wie ich unnötigen Balast loswerden möchte“ hier veröffentlicht habe. Mai 2016. Seitdem hat sich, meiner kritischen Meinung nach, nicht sooo viel geändert. Gut, ich bin wirklich durch die Wohnung gestreift und habe unwichtigen Krimskrams größtenteils verbannt. Im Badezimmer kann man nicht meckern – meine Pflegeprodukte mache ich selbst – außer Zahnpasta und Deo, da habe ich noch nicht die passende Lösung für mich gefunden. Auch in der Küche geht der Trend Richtung Selbermachen und unverpackt einkaufen. Was sich aber kaum verändert hat, ist die Menge an Bastelmaterial, das hier ungenutzt im Weg steht und unauffindbar ist, wenn man es wirklich brauchen würde. Der Überschuss an Bastelmaterialien würde mich wahrscheinlich auch gar nicht so sehr stören, wenn alles logisch sortiert an einem Platz wäre. Das hoffe ich spätestens nach Einrichtung meines neuen Werkzimmers zu erreichen. Bei Bastelsachen ist es auch wirklich schwierig sie außerhalb der Restmülltonne loszuwerden, wenn es sich dabei um als Kindergartenspende ungeeignete Kleinteile handelt. Einen Stapel ungenutzter Wolle in Neonorange(!) konnte ich allerdings erfolgreich über eine Facebook-Gruppe verschenken.

Eine radikale 30-Tage-Ausmist-Aktion, die laut diversen Websiten, das allertollste sein soll um sich doch endlich frei zu fühlen ist für mich persönlich schon deshalb nichts, weil ich vorher einfach ein zu großer Konsumjunkie war. Kein Samstag ohne Shoppingtour und ja natürlich brauchte ich das alles unbedingt und wenn nicht sofort dann als Vorrat für Anlass XY, der nie stattgefunden hat. Wenn man erst einmal so viel angesammelt hat, ist die eigentliche Schwierigkeit nicht das Loslassen sondern das Loswerden.

Mein Kleiderschrank ist in meinen Augen unverändert voll.

Ich habe das Gefühl die Rückwand meines Schranks führt nach Narnia und Waldgeister schieben bei jeder Gelegenheit Klamotten durch das Portal auf meine Seite.

Folgend möchte ich eine kleine Doku darüber veröffentlichen – vielleicht kann mir dann ja jemand Anderes sagen, ob man das einen Unterschied nennen kann. Weiter unten liste ich dir noch auf, wo ich was davon am besten abgeben konnte.

Das Kleiderschrank-Monster, Stand 22.5.2017

Huch, das ist ja schon ein Jahr nachdem ich mir vorgenommen hatte wöchentlich etwas auf Kleiderkreisel und Co. zu stellen. Guess what, da habe ich mich wohl nicht ganz so beharrlich dran gehalten. Ich habe kurz nachgesehen: Bei Mädchenflohmarkt habe ich in der Zwischenzeit 7 Teile verkauft, bei Kleiderkreisel diverse Taschen, Schuhe und Schals – also Dinge, die eh nie innerhalb des Schranks waren.

Mein Kleiderschrank im Mai 2017


[wp-svg-icons icon=“plus“ wrap=“h1″]

  • Kleidung im 2ten Schrank (siehe Galerie unten)
  • Kleidung, die schon lange aussortiert, aber nicht weggebracht wurde
    (= ein Karton 63 x 40 x 55 cm)
  • Ein Wäschekorb mit sauberer Wäsche
  • Ein voller Korb für die Waschmaschine
    (entspricht 3 Waschladungen unter der auch des Ehemanns Kleidung ist)

[FinalTilesGallery id=’8′]

 

Das habe ich seit Mai 2017 aus dem Haus verabschiedet:

Vorab muss ich sagen, dass diesen Blogpost zu schreiben, mich neu motiviert hat. Angesichts der kläglichen Veränderungen habe ich nochmals die Ärmel hochgekrempelt und neu recherchiert, wo ich denn noch alles Ausgemistete hinbringen könnte. Dazu weiter unten mehr…

Ich wäre nicht ich, hätte ich nicht eine Liste über alle Kleidertransfers geführt.

Insgesamt bin ich 211 Teile losgeworden.

211 – davon 56 Shirts, 39 Pullis, 17 Hosen, 47 Röcke/Kleider, 31 Hemden/Blusen, 4 Jacken, 5 Taschen und 8 Schals. Zwei Teile wurden zu Upcycling-Projekten, zum Beispiel dieses hier. Das meiste ist wirklich im Altkleidercontainer, in der Stoffsammlung bei meiner Nähmaschine oder im Müll gelandet. Bei letzterem muss ich dazu sagen, dass Stoffe, die aus Kunstfasern sind, nicht in die häuslichen Restmüll gehören. Diese sollten zum örtlichen Wertstoffhof gebracht werden. Auf diese drei Wege haben mich aber wirklich nur kaputte oder absolut aus der Mode gekommene Kleider verlassen, die ich auch nicht als Spende losgeworden wäre.

Wo ist meine Kleidung nun? Meine Erfahrung mit Onlineportalen und Spendenmöglichkeiten.

Verschenken:

Geschenk-IconDie geselligste und schnellste Variante seinen noch schönen Klamotten ein neues Zuhause zu bieten sind Kleidertauschpartys oder das Verschenken an Freunde. Hier haben ohne viel Aufwand 32 Teile die Besitzerin gewechselt. Natürlich kriegt man so kein Geld mehr für seine alten Schätze, dafür kann man sich sicher sein, das sich die Beschenkten über ihr Fundstück freuen. Schau doch mal ob es so eine Party auch in deiner Nähe gibt und lade deine Freunde zum Stöbern ein. Solang‘ deine Freundinnen alle kleiner als du sind, sollte sich auch jede etwas finden.

Secondhand-Plattformen wie Mädchenflohmarkt und Kleiderkreisel:

Onlineshop-IconHier sieht es gar nicht so rosig aus – zumindest in meinem Fall. Seit Mai konnte ich nur 9 Teile verkaufen. Bei beiden Anbietern ist es von Vorteil mehrere Sachen auf einmal einzustellen, das bringt dein Profil bei der Suche nach vorne. Gute Fotos und eine detaillierte Beschreibung des Zustands sollten selbstverständlich sein – das kostet natürlich sehr viel Zeit. Dann heißt es warten bis jemand über deinen Artikel stolpert und ihn haben will. Oft wird noch der Preis verhandelt und dann kann man sich entweder verabreden oder das gute Stück verpacken und versenden. Mir ist aufgefallen, dass man vor allem bei Kleiderkreisel nicht viel Erlös erwarten kann. 5 € für ein Markenshirt sind da schon Wucher und Teile von H&M und Co. gehen nur fast geschenkt weg. Teurere Kleider und Fairfashion stelle ich deswegen lieber bei Mädchenflohmarkt ein. Dort muss man dann aber noch länger warten, bis jemand anbeißt. Ein kleiner Trick ist, die Sachen nach ein paar Monaten nochmal komplett neu einzustellen oder zumindest den Preis zu reduzieren. Das wirft die Ware bei der Suche wieder nach vorne und so habe ich schon Staub ansetzendes losgeworden. Weitere Onlineportale für Kleidung, die ich aber noch nicht getestet habe, wären zum Beispiel: Swapper (für Tauschgeschäfte), Shpock und Kleiderkorb (allgemeine Flohmarktseiten).

Offline: Der Secondhand-Laden:

secondhand-laden-iconIch kann mich noch dunkel daran erinnern, wie ich früher mit meiner Mutter Preiszettelchen auf alte Kleidung gesteckt habe, wir in einen engen Laden gingen und nicht verkauftes irgendwann wieder abholen mussten oder Strafe zahlen durften. Wegen dieser Erinnerung waren solche Läden für mich lange kein Thema mehr. Oft sieht man auch schon an den Schaufenstern, dass die Kleiderauswahl eher aus Omas Zeiten stammt. Hallo Schulterpolster! In der Großstadt ist das vielleicht besser. Zum Glück hat in Regensburg ein neuer Laden mit jüngerer Zielgruppe aufgemacht. Dort wird die Ware geprüft und angekauft. Man bekommt gleich etwas Geld und muss die hergegebenen Klamotten nie wieder sehen. Ideal!

An eine karitative Einrichtung spenden:

Spenden-IconOrganisationen wie die örtliche Caritas, Erstaufnahmeeinrichtungen, das Rote Kreuz oder Oxfam freuen sich immer über eine Spende. Bevor du jedoch dort mit einer Kiste auftauchst, über deren Rand du kaum sehen kannst, solltest du dich online oder telefonisch informieren, was bei der jeweiligen Stelle gerade gebraucht wird. Es lohnt sich auch die Seite „Wohin damit?“ zu Rate zu ziehen. Du gibst ein, was du wo spenden möchtest und die Webseite zeigt dir eine Karte mit den Abgabestellen in der Nähe.

Caritas und Erstaufnahmestelle konnten meine Frauenkleidung in 38 nicht gebrauchen und Oxfam ist schon sehr pingelig, was die Qualitätsansprüche angeht – immerhin 11 Teile in 2 Anläufen sind dort gelandet.

Das wohl beste System, wenn man sehr viel Kleidung spenden möchte, sind Kleiderspenden im Paket. Zum einen ist das Packmee: Hier muss man sich auch keine Gedanken über lokalen Bedarf und Saison machen. Du nimmst einfach eine möglichst große Kiste, packst sie randvoll und gibst sie deinem Paketboten mit. Allerdings muss einem klar sein, dass das Unternehmen hinter Packmee gewerblich handelt, jedoch gehen 50% des Erlöses direkt an das Rote Kreuz. Auf der Website von Packmee wird das sehr transparent erklärt und du kannst dir einen kostenlosen Versandschein für dein Paket herunterladen, Mindestvoraussetzung dafür ist, dass dein Paket über 8 kg wiegt. Zur Orientierung: Mein Karton mit 68 Kleidungsstücken und einem Paar Schuhe wog ca. 12,5 kg.
Ähnlich funktioniert das bei der Deutschen Kleiderstiftung. Dies ist eine gemeinnützige, kirchliche Organisation, die mit dem FairWertung-Siegel ausgezeichnet ist. Man kann per kostenlosem Paket-Versand oder Container spenden. Die Kleiderspende wird dann geprüft und an Bedürftige weitergegeben. Kaputte Klamotten werden natürlich recycelt. Ich selbst habe die Deutsche Kleiderstiftung noch nicht mit einem Paket beglückt, werde es aber für die nächste Großräumung im Hinterkopf behalten.

Hast du noch einen Geheimtipp? Lass es mich gerne wissen.  [wp-svg-icons icon=“arrow-right“ wrap=“i“]  kommentieren

Und nun? Ausmisten als Lebensaufgabe?

Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis ich wirklich alle Kleidungsstücke und sonstige Dinge, die ich nicht brauche, weitergeben kann. Für eine Hauruck-Aktion fehlt mir wirklich die Kraft, zu viele Gedanken würden mich plagen, ob meine Sachen ordnungsgemäß entsorgt wurden.

Damit ich nicht Opfer des Jojo-Effekts werde, verlassen neue unnütze Dinge nun recht schnell wieder das Haus – auch wenn sie ein Geschenk waren. Das erfordert etwas Überwindung, vielleicht sogar Übung, aber es wird leichter. Wenn ich wirklich etwas brauche oder haben möchte schaue ich zuerst, ob ich es gebraucht bekomme oder es eine ökologischere Alternative dazu gibt. Das erfordert etwas Zeit und bei Kleidung ist es mir schon öfter passiert, dass das Objekt der Begierde dann schon ausverkauft war – auch okay und gebraucht habe ich es dann wohl gar nicht so dringend. Spontankäufe passieren da eher auf dem Flohmarkt oder im Secondhandladen. Das ist aber in Ordnung. Hauptsache mehr raus als rein. Seit Mai sind 15 neue Teile in meinen Kleiderschrank eingezogen. Davon 3 selbstgemacht und 8 komplett neu – eine Zahl, die ich noch nach unten optimieren möchte. Meine liebste Eroberung ist ein Wollpulli vom Flohmarkt, zu dem ich bei der Preisverhandlung am Stand noch ein Päckchen getrockneter Aprikosen für den Herrn Ehemann rausschlagen konnte. Solche Erinnerungen kann dir ein Geschäft mit Neuwaren auch nicht bieten.

Trotz höherer Erwartungen ist die psychische Last leichter geworden.

Das ist mir ja das Wichtigste an der Aktion und macht sich trotz noch immer vorhandener Wäscheberge bemerkbar. Ich verbringe keine Stunden mehr vorm Schrank und finde dann nichts anzuziehen und ich hetze nicht kurz vor Ladenschluss in die Fußgängerzone um den 20sten Cardigan einzukaufen, weil alle anderen gerade schmutzig sind oder durch mangelnde Qualität nach dem dritten Waschgang schäbig aussehen. Durch das Aussortieren habe ich auch meinen eigenen Stil gefunden und bin nun nicht mehr anfällig für Kleidung, die an anderen Leuten, am schlimmsten noch in Modezeitschriften, besser aussieht. Ein kleiner Anflug Neid à la „Schade, dass mir das nicht steht.“ statt „Oh, ein neonfarbenes Shirt brauche ich unbedingt auch!“

Sorry, für diesen wahnsinnig langen Text, aber mit hat es geholfen ihn zu tippen und vielleicht motiviert er ja doch jemandem endlich die eigene Bude von ungeliebtem Zeugs zu befreien.

Schöne Grüße, Unterschrift Caro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.